Vorträge
In der Monaten Oktober bis März veranstaltet der Historische Verein eine Vortragsreihe. Die Vorträge finden (in der Regel an jedem dritten Donnerstag im Monat) im Zimeliensall der Universitätsbibliothek Osnabrück statt und beginnen um 19.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Programm für das Winterhalbjahr 2011/2012
Donnerstag, 20. Oktober 2011
Gerd van den Heuvel, Hannover:
Grundherrschaft als 'Miniaturstaatlichkeit': Die „Hoch- und Freiheit Gesmold" im 18. Jahrhundert
Zur Abgrenzung der Adelslandschaften im Alten Reich ist von Ernst Schubert eine scharfe Trennlinie zwischen adliger ‚Miniaturstaatlichkeit’ im Bereich der süd(west)deutschen Reichsritterschaft und einem ‚territorialisierten’ norddeutschen Adel gezogen worden. Das Beispiel der „Hoch- und Freiheit Gesmold“ zeigt, dass auch in Norddeutschland eine weitgehende Autonomie adliger Herrschaft existieren konnte, die für einen Staat wie das Hochstift Osnabrück eine permanente Herausforderung darstellte.
Donnerstag, 17. November 2011
Marcus Weidner, Bad Sassendorf:
„Wir beantragen … unverzüglich umzubenennen.“ Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit
Während des Nationalsozialismus wurden in den meisten deutschen Städten und Gemeinden z. T. umfangreiche Um- bzw. Neubenennungen von Straßen und Plätzen durchgeführt. Auf diese Weise wurden nicht nur die neuen Machthaber, allen voran Hitler und Göring, geehrt, sondern auch die neuen 'Helden' und 'Erinnerungsorte' des Nationalsozialismus in das Straßenbild eingeführt. Der Referent untersucht auf der Basis einer umfangreichen Materialerhebung in den heutigen Kommunen Westfalen-Lippes die Praxis der Um- und Neubenennung von Straßen und Plätzen in diesem Raum während des Nationalsozialismus und geht dabei v. a. ihren Ursachen, Anlässen und Formen sowie der (teilweisen) Rückabwicklung in der Zeit nach 1945 nach.
Donnerstag, 15. Dezember 2011
Walter Bleeker, Osnabrück:
Das Herbarium und die Pflanzenartenliste des Tierarztes Horst aus Hunteburg von 1830
Im Herbst 2009 wurden auf einem Dachboden in Hunteburg das Herbarium und die umfangreichen botanischen Aufzeichnungen des Tierarztes Horst entdeckt. Der sensationelle Fund schließt eine lange bestehende Wissenslücke über Angaben aus dem Osnabrücker Land in der Flora des Königreichs Hannover von G. F. W. Meyer (1836) und erweitert unsere Kenntnisse über ehemals in unserer Region vorkommende Pflanzenarten. Die einzelnen Pflanzenangaben und das Herbarium werden zur Zeit von Mitgliedern des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück mit finanzieller Unterstützung der Haarmann Stiftung katalogisiert und aufgearbeitet. Im Vortrag werden verschiedene Aspekte des Fundes (Herbarium, Briefwechsel, Papier) vorgestellt und das Wirken des Tierarztes Horst als Botaniker in einen geschichtlichen Zusammenhang gestellt.
Donnerstag, 19. Januar 2012
Gunnar Teske, Münster:
Für Gott, Adel und Familie. Die Familienchronik des Sweder Schele zu Weleveld und Welbergen (1569–1639)
Sweder Schele wurde 1569 auf Haus Weleveld bei Borne nördlich von Enschede in den Niederlanden geboren. Schon früh musste er aufgrund der Wirren des spanisch-niederländischen Krieges seine niederländische Heimat verlassen und verbrachte 10 Jahre in Rheine, Minden und auf der Schelenburg bei Osnabrück. Nach seiner Kavalierstour, die ihn bis nach Rom führte, lebte er einige Jahrzehnte auf Haus Weleveld, bevor er 1624 von seiner Schwester Haus Welbergen bei Ochtrup übernahm, wo er 1639 auch gestorben ist. Ab 1591 schrieb er eine umfangreiche Geschichte der Familie Schele von den legendären Anfängen bis in seine Gegenwart. Als aufmerksamer Beobachter seiner Umgebung und seiner Zeit hielt er zudem Jahr für Jahr Dinge und Begebenheiten, die sein Interesse erregten, fest. Sein Werk bietet daher viele Hinweise zur Orts- und Landesgeschichte. Das NLA-Staatsarchiv Osnabrück, das Historisch Centrum Overijssel in Zwolle und das LWL-Archivamt für Westfalen arbeiten seit mehreren Jahren an einem gemeinsamen Projekt zur Erschließung dieser einzigartigen Quelle für die Geistes-, Kultur- und Landesgeschichte der heutigen Euregio. Der Lichtbildervortrag wird das Projekt vorstellen und anhand der Leitthemen Religion, Adel und Familie Eigenart und Quellenwert der Chronik aufzeigen.
Donnerstag, 16. Februar 2012
Birgit Kehne, Osnabrück:
Leuchttürme der Regionalgeschichte: die Osnabrücker Mitteilungen und die historische Zeitschriftenlandschaft Niedersachsens
Niedersachsen kann eine Fülle regionalgeschichtlicher Zeitschriften vorweisen. Die Entstehung dieser Zeitschriftenlandschaft im 19. Jahrhundert und ihre Entwicklung im 20./21. Jahrhundert mit Kontinuitäten und neuen Ausrichtungen sind Thema des Vortrags. Dabei wird ein Vergleich von geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften aus den Ländern, aus denen das Land Niedersachsen gebildet wurde, mit den Osnabrücker Mitteilungen vorgenommen, und der Fokus auf die Anfänge, die programmatische Aufstellung und die Positionierung unserer Vereinszeitschrift in der Gegenwart gerichtet. In diesem Zusammenhang wird auch ein Blick auf die Heimat-Jahrbücher geworfen.
Donnerstag, 15. März 2012
Karsten Igel, Osnabrück:
Der neue Blick: Osnabrück im 12. und 13. Jahrhundert
Nach über zwei Jahrhunderten Osnabrücker Stadtgeschichtsforschung und einer gerade vor fünf Jahren erschienenen Stadtgeschichte mag es müßig erscheinen, die schriftlich nur dünn überlieferte frühe Osnabrücker Geschichte neuerlich zu betrachten. Doch nicht nur die archäologischen Befunde rücken manches in ein neues Licht, auch die Sicht der Forschung auf die Stadt des 12. und 13. Jahrhunderts hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Erst jetzt hat sich die Stadtgeschichtsforschung von aus dem 19. Jahrhundert stammenden Sichtweisen gelöst, die eine Emanzipation der Bürger im Konflikt mit dem Stadtherrn betonten, während nun mehr der Konsens, das gemeinsame Interesse der verschiedenen städtischen Gruppen betont und die Stadt nicht mehr allein mit der Bürgerstadt identifiziert wird. Auch für Osnabrück ist auf die verschiedenen weltlichen wie geistlichen Gruppen in der Stadt zu schauen: Wer organisierte die fast vollständige Umgestaltung des Stadtraums im ausgehenden 12. Jahrhundert? Welche Position kam dem Bischof und seinen über das Bistum hinaus gehenden Verbindungen zu? Wie bildete sich die bürgerliche Gemeinde heraus, die dann im 13. Jahrhundert zur dominanten Kraft in der Stadt und später auch bestimmend im Hochstift wurde?